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Häufig gestellte Fragen zum Thema Demenz

Was ist Demenz?

Der Begriff Demenz fasst verschiedene Erkrankungen zusammen, die alle mit einem Verfall der geistigen Leistungsfähigkeit und einer Persönlichkeitsveränderung einhergehen. Die neurologische Forschung und Wissenschaft kennt heute mehr als 50 Formen der Demenz. Die Alzheimerkrankheit ist die häufigste Form einer Demenz.

Wie kann ich erste Anzeichen erkennen, die auf eine Demenz hindeuten?

Die Symptome können sehr unterschiedlich sein. Typische Warnzeichen sind:

  • Vergessen von kurz zurück liegenden Ereignissen
  • Ständiges Wiederholen einer Frage
  • Orientierungslosigkeit (verirrt sich an bekannten Plätzen)
  • Unfähigkeit, Anweisungen zu befolgen
  • Nachlassendes Interesse an Arbeit oder Hobbys
  • Schwierigkeiten beim Treffen von Entscheidungen
  • Unfähigkeit, Anweisungen zu befolgen
  • Desorientierung hinsichtlich Zeit, Ort und Personen
  • Vernachlässigung der persönlichen Sicherheit, Hygiene und Ernährung

Verändern oder verlieren an Demenz erkrankte Menschen ihre Persönlichkeit?

  • Ja – Menschen mit einer Demenz können sich im Verlauf ihrer Erkrankung persönlich sehr stark verändern.
  • So kann ein Mensch, der zeitlebens sehr umgänglich und freundlich war, plötzlich misstrauisch und aggressiv werden. Aber auch das Gegenteil kann eintreten – ein früher schwieriger und verschlossener Mensch kann als Demenzkranker sehr liebebedürftig und zugänglich sein bzw. werden.
  • Allerdings muss das nicht zwangsläufig so sein: jeder Demenzkranke ist nicht nur ein Kranker, sondern eben ein Individuum mit einer ebenso individuellen Krankheitsentwicklung.
  • Im späteren Verlauf der Krankheit baut der Kranke jedoch so stark ab, dass zwangsläufig auch von einem Verlust der Persönlichkeit gesprochen werden muss – das liegt nahe, nachdem die Persönlichkeit eines Menschen doch auch sehr stark von seinem Geist mit geprägt ist.

Mein/e Angehörige/r hat Gedächtnisstörungen. Kann das schon Demenz sein ? Wo wende ich mich hin?

Nicht jede Gedächtnisstörung muss gleich eine Demenzerkrankung bedeuten. Ein wichtiger Unterschied zwischen Demenz und Vergesslichkeit ist, dass bei der Demenz nicht nur das Erinnerungsvermögen verloren geht, sondern ganz normale alltägliche Tätigkeiten nicht mehr ausgeführt werden können.

Auffälligkeiten sollten jedoch weder verharmlost noch überdramatisiert werden. Klarheit bringt nur eine gesicherte Diagnose.

Zuständig sind hier

  • Neurologen/Psychiater
  • Ggf. auch spezialisierte Hausärzte
  • In schwierigeren Fällen auch die "Gedächtnissprechstunden" bzw. Memory-Kliniken an neurologischen Kliniken.

Wie verhalte ich mich im Umgang mit dem Kranken?

Der Kranke kann nicht mehr (neu) lernen bzw. flexibel und angemessen reagieren, daher müssen Sie sich auf ihn einstellen:

  • Erkennen Sie die Sichtweise des Patienten als für ihn gültig an
  • Vermeiden Sie fruchtlose, kräftezehrende Diskussionen
  • Lenken Sie ab anstatt zu konfrontieren
  • Nutzen Sie nicht-sprachliche Verständigungsmöglichkeiten
  • Erkennen, verstehen und wertschätzen Sie verbliebene Fähigkeiten

Gibt es Hilfen für mich als Angehörige/r, für mich als Begleiter/in?

Hilfen in Form von Beratung und Unterstützung leisten

  • regionale Demenzberatungsstellen
  • Angehörigengruppen
  • Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg
  • Alzheimer Therapiezentren
  • Konkrete Entlastung bei der Betreuung und Pflege bieten
  • ambulante Pflegedienste
  • häusliche Besuchsdienste
  • Betreuungsgruppen und
  • Tagespflegeeinrichtungen

Welche therapeutischen Möglichkeiten gibt es?

Grundsätzlich gibt es medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapieformen.

  • Die medikamentöse Behandlung beschränkt sich nach dem bisherigen Stand der Forschung leider nur auf Medikamente, die den weiteren geistigen Abbau im Verlauf der Krankheit für eine Weile hinauszögern bzw. verlangsamen können. Eine Heilung ist bisher noch nicht möglich.
  • Daneben lassen sich natürlich Begleitsymptome der Krankheit wie Depression oder Aggression medikamentös beeinflussen. Hier sollte aber immer erst sicher gestellt werden, dass die auffälligen oder schwierigen Verhaltensweisen des Kranken nicht aus einem unangemessenen Umgang mit ihm bzw. einem ungünstigen Lebensumfeld resultieren.
  • Im nicht-medikamentösen Bereich gibt es mittlerweile unzählige Therapieformen, die die Krankheit positiv beeinflussen und die Lebensqualität des Erkrankten steigern können. Sie tragen alle dem Umstand Rechnung, dass demenzkranke Menschen mit fortschreitender Erkrankung zwar immer weniger über den Verstand und die Sprache, dafür aber immer mehr über das Gefühl und über die Sinne anzusprechen sind.

An vorderster Stelle sind hier die Integrative Validation, Milieutherapie, Biographiearbeit und Erinnerungspflege, Musik- und Kunsttherapie sowie Beschäftigungs- und Ergotherapie zu nennen.

Kann man wirkungsvoll gegen Demenz vorbeugen?

  • Nein; es gibt leider keine gesicherten Erkenntnisse über eine sinnvolle Prophylaxe!
  • Ratsam erscheint in jedem Fall eine gesunde Lebensführung, d.h. körperliche und geistige Aktivität, gesunde Ernährung und eine positive soziale Einbindung.
  • Die zusätzliche Einnahme von Vitamin E in Verbindung mit Vitamin C wird von Wissenschaftlern unterschiedlich bewertet – schaden kann sie jedenfalls nicht! Auch Alkohol in geringen Mengen scheint eine leicht schützende Wirkung zu haben, wie dies ja auch im Zusammenhang mit manchen anderen Erkrankungen gilt.

Welchen Sinn macht ein gezieltes Gedächtnistraining?

Gedächtnistraining ist vorbehaltlos für geistig gesunde Menschen zu empfehlen!

Für Menschen mit Demenz hingegen gilt grundsätzlich:

  • keine Überforderung, keine Konfrontation mit Defiziten
  • "Trainiert" werden darf nur, solange es dem demenzkranken Menschen erkennbar Freude macht und die Trainingsinhalte seinem Krankheitsstadium angepasst sind (hier gibt es mittlerweile differenzierte Konzepte)
  • Der demenzkranke Mensch kann generell nicht mehr Neues dazu lernen, sondern höchstens vorhandenes Wissen und vorhandene Fähigkeiten ein Stück weit bzw. eine Zeit lang bewahren und aktivieren!

Muss ich einen demenzkranken Menschen mit seiner Erkrankung konfrontieren?

Zunächst einmal sind Menschen mit einer Demenz in der Frühphase sehr wohl noch in der Lage, für sich selbst zu sprechen und ihre Bedürfnisse und Anliegen zu vertreten. So ist es sicher richtig und sinnvoll, die Betroffenen grundsätzlich als noch weitgehend autonomen Menschen zu verstehen und anzusprechen. Dazu gehört auch ein möglichst offener Umgang mit wahrgenommenen Veränderungen und auch einer möglichen Demenzdiagnose.

Allerdings lösen Demenzerkrankungen auch beim Betroffenen selbst große Ängste aus, so dass eine Krankheitseinsicht meist verdrängt und verweigert wird. Dazu trägt nicht zuletzt auch die immer noch starke Tabuisierung der Krankheit und ihre negative Besetzung in der Gesellschaft bei. Je eher wir lernen, eine Demenzerkrankung als eine Krankheit wie andere auch anzunehmen, desto eher werden Angehörige und Betroffene auch dazu stehen können.

Sofern Betroffene also nicht mit starker Abwehr und großer Angst, sondern mit einer gewissen Offenheit auf ihre Erkrankung reagieren, können auch gemeinsame Planungs- und Entscheidungsprozesse gerade zu Beginn der Krankheit natürlich sehr sinnvoll und hilfreich sein. Hier ist aber immer ein Höchstmaß an Taktgefühl von Seiten der Angehörigen, aber auch von Seiten der Ärzte bzw. anderer Professioneller gefragt!

Quelle: www.alzheimer-bw.de

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